Archiv für Dezember 2007

Schöner Wohnen

erschienen in Jungle Wolrd, 06.12.2007

Auch ohne Hauskauf etablieren sich zuweilen rechtsextreme Hausgemeinschaften. In Oelsnitz im Erzgebirge vermietet ein Hausbesitzer Wohnungen bevorzugt an Neonazis. Manche Nachbarn empfinden die Nazi-Mieter als Bedrohung. Die meistem wollen jedoch lieber nicht über das braune Haus im Ort reden.

von Andre Seitz

Es liegt etwas Neuschnee auf den Feldern um Oelsnitz im Erzgebirge, dicke nasse Flocken fallen vom Himmel auf meine Windschutzscheibe. Es ist die Woche nach Totensonntag, der offizielle Beginn der Weihnachtszeit. Die Fenster der Oelsnitzer sind mit dem traditionellen Schwibbogen geschmückt, einem aus Holz gefertigten Bogen, unter dem Schnitzfiguren stehen, die die erzgebirgische Landbevölkerung aus früheren Jahrhunderten darstellen. (mehr…)

Reich ins Heim

erschienen in Jungle World, 06.12.2007

Neonazis bemühen sich um eigene Häuser auch deshalb, weil ihnen immer öfter die Nutzung öffentlicher Räume verweigert wird. Aber auch wenn Immobilien-Geschäfte platzen, profitieren sie davon.

von Jean Cremet

Dresden-Pappritz. Hier fanden u.a. das Pressefest der Deutschen Stimme 2006 und der »Sachsentag« der Jungen Nationaldemokraten 2007 statt. Austragungsort dieser rechtsextremen Events: eine Tennishalle, ein illegal errichtetes großes Blockhaus und ein sich daran anschließendes Frei­gelände. Der Traum von einem Fünf-Sterne-Hotel, das Wolfgang Jürgens, der Besitzer dieser Liegenschaft, dort errichten wollte, war schnell ausgeträumt, die NPD ihm deshalb als regelmäßiger Mieter höchst willkommen. Die Stadt drohte mit Abriss des in einem Landschaftsschutzgebiet gelegenen Gebäudes, die NPD mit dem Umzug ihrer Landesgeschäftsstelle genau dorthin. Im Februar 2007 meldeten Zeitungen gar den Verkauf der Liegenschaft an einen NPD-Funktionär zu einem Preis von 3,25 Millionen Euro. Daraufhin inspizierte die Bauaufsicht eines der Blockhäuser in Papp­ritz, nachdem demonstrativ NPD-Fahnen auf dem Gelände gehisst worden waren. Fehl­alarm, nichts als leere Aktenordner. Offenbar war die NPD noch nicht eingezogen. Großes Aufatmen bis in die Sächsische Staatskanzlei, denn der Wohnsitz des Ministerpräsidenten Georg Milbradt liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Doch auch der Verkäufer Wolfgang Jürgens bestätigte: Der Vertrag sei schon unterzeichnet. Jetzt müssten die öffentlichen Instanzen den Kauf noch abnicken, der noch fehlende Grundbucheintrag sei nur eine Formsache. Doch zu dieser Eintragung kam es nie. Die Aufregung, die all dieses verwirrende Hin und Her erregt hatte, ebbte wieder ab. (mehr…)

Ausweitung der Homezone

erschienen in Jungle World, 06.12.2007

Sie erwerben Immobilien, und sie siedeln sich bewusst in bestimmten Regionen an. Nazis festigen so ihre Strukturen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Jürgen Rieger von der NPD. Ein Überblick über die regen Aktivitäten.

von Andreas Speit

Mit seinen Immobilien hat Jürgen Rieger in diesem Jahr irgendwie Pech. So mancher Neuerwerb misslang, einige Rechtsstreitigkeiten laufen noch, und mögliche Geschäfte scheiterten. Bereits in den neunziger Jahren führte Rieger, inzwischen NPD-Bundesvorstandsmitglied und Hamburger Landesvorsitzender, im niedersächsischen Hetendorf eines der damals wenigen Neo­nazi-Zentren. Mittlerweile unterhalten NPD und »Freie Kameradschaften« (FK) quer durch die Republik etliche Immobilien. Sie sind Rückzugsräume für Gesinnungsgenossen, sie dienen als Ort für Schulungen, Veranstaltungen und den Vertrieb rechtsextremer Propagandaartikel. Regionale Ansiedlungen von Kadern ermöglichten zudem oft eine lokale Verankerung. (mehr…)