Archiv für August 2009

03.04.2009 / Gränitz: Neonazi-Konzert ausgefallen

Von Recherche Ost (Recherche und Medienkollektiv)

Ein am 03. April im sächsischen Gränitz bei Freiberg geplantes Neonazi-Konzert wurde von der Polizei verhindert. Mehrere Dutzend angereiste Neonazis aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Tschechien sammelten sich daraufhin in einem Szene-Objekt in Dresden-Reick, wo sie jedoch keine Konzertveranstaltung mehr durchführten.

Eingeladen zu dem Konzert hatte der Dresdner Neonazi Maik Müller. Er hatte die Veranstaltung als „private Geburtstagsfeier“ tituliert und hoffte dadurch, die Einsatzkräfte der Polizei daran hindern zu können, gegen das Konzert vorzugehen. Als Veranstaltungsort sollte der „Gasthof Gränitz“ dienen. Die ehemalige Dorfgaststätte war 2001 vom ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert erworben und seither unregelmäßig für neonazistische Treffen und Veranstaltungen genutzt worden. Ursprünglich plante Deckert hier einen für die bundesweite neonazistische Szene relevanten Treffpunkt zu etablieren, was bisher jedoch nicht gelang. Auftreten sollten am Abend des 3. April fünf Bands aus der RechtsRock-Szene. Darunter „Sachsonia“ und „Priorität 18″ aus der Region Dresden und die tschechische Neonazi-Band „Attack“. Da nach Angaben der Polizei bei dem Auftritt dieser als einschlägig bekannten Bands zu erwarten war, dass es zu Straftaten kommen könne, wurde das Konzert unterbunden. Anreisenden Neonazis wurden dazu Platzverweise erteilt. In Folge dessen reisten nun mehrere Dutzend Neonazis frustriert nach Dresden, um dort in einem Szene-Objekt auf der Oskar-Röder-Straße den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Auch hier waren Polizeibeamte vor Ort, beobachteten aber lediglich präventiv das Geschehen und griffen nicht ein. Ein Konzert fand in den Räumen des szene-intern als „Baubude“ bezeichneten Klubs nicht statt. (mehr…)

Das deutsche Haus

Über das entstehende Nazi-Zentrum in Gränitz

Über Immobilienkäufe von bekannten Neonazis wie dem NPD-Anwalt Jürgen Rieger konnte mensch in den vergangenen Jahren eine Menge hören. Eine Zeit lang wurde in den deutschen Medien über den Fall in der Stadt Delmenhorst berichtet, wo Rieger für mehrere Millionen Euro ein altes Hotel kaufen wollte um dort ein Nationales Zentrum zu errichten. Er scheiterte jedoch am breiten Protest von AntifaschistInnen und bürgerlichen Kräften. Doch auch in der Nähe von Freiberg gibt es einen wenig beachteten Hauskauf eines bundesweit bekannten Neonazis. (mehr…)

Schrottimmobilie als Neonazi-Treff

erschienen in taz, 03.08.2009

Dort, wo die Szene Räume hat, strahlt sie auch über ihre Strukturgrenzen hinaus

KOMMENTAR VON ANDREAS SPEIT

Der Name versetzt Städte und Gemeinden immer wieder in Schrecken. Steht eine Immobilie zum Verkauf und fällt der Name Jürgen Rieger, kommt es regelmäßig zum Dilemma: Soll hier in der Tat ein Nazizentrum entstehen, oder soll – wie auch schon oft genug geschehen – lediglich der Preis einer schrottigen Immobilie in die Höhe getrieben werden? (mehr…)