Harz – Treffen „Tage Deutscher Gemeinschaft“

Der Artikel erschien zuerst auf Indymedia

Vom 04. bis 06. Juni 2010 lädt der Holocaustleugner und ehem. NPD-Vorsitzende Günter Deckert zu einem Treffen in den Südharz. Die Rede ist von »Tage Deutscher Gemeinschaft« der neonazistischen Organisation »Die Deutsche Freiheitsbewegung e.V. – Der Bismarck Deutsche«. Und, um genauer zu sein, das Treffen findet im Hotel Hufhaus in der Gemeinde Ilfeld im Landkreis Nordhausen statt.
Wir treffen uns im Hotel Hufhaus!

Das Hotel liegt etwas abgelegen im Wald und ist über eine Holperpiste zu erreichen. Mit seinem DDR-Ambiente bietet es sich seit Jahren für solche Treffen an. Hier können sich alte wie neue Nazis in Ruhe treffen und ungestört ihre Veranstaltungen durchführen.

Wie Recherchen ergaben, geht der Verfassungsschutz Thüringen davon aus, dass sich seit 1997 zwei Mal (Frühjahr und Herbst) im Jahr hier getroffen wird. [1]

Das Treffen »Tage Deutscher Gemeinschaft« ging aus dem »Leser- und Aktivistentreffen« der Leserschaft der neofaschistischen Zeitschrift »Recht und Wahrheit« hervor.[2] – » […] Das besagte Magazin erblickte 1984 als Periodika des Vereins »Die Deutsche Freiheitsbewegung« noch unter dem Namen »Der Bismarck-Deutsche« das Licht der Welt und stand anfangs unter der Regie des Altnazis und Generalmajors der Wehrmacht Otto Ernst Remer, der von 1991 bis 1994 die rechtsextreme »Remer-Depesche« verbreitete. Remer wurde schließlich 1989 von Georg Albert Bosse (Wolfsburg) als Herausgeber abgelöst. Dieser wiederum tat sich mit Deckert zusammen, um so genannte Lesertreffen auf die Beine zu stellen, bei denen sich dann neben führenden Neonazis wie Christian Worch und Meinolf Schönborn auch Revisionisten wie Udo Walendy blicken ließen. […]« [3]

Das Treffen übt zwar keine große Ausstrahlung auf die Region und die hier bestehenden neonazistischen Strukturen aus, doch finden sich auf dem Treffen immer wieder zwischen 100 bis 120 Personen aus den bundesweit verschiedenen extrem rechten Strömungen ein. Die geringe Ausstrahlung wird zum Einen daran liegen, dass die Treffen eher eine größere und gezieltere Außenwirkung vermeiden und zum Anderen, weil die jeweiligen Themen, jedes für sich, eine intellektuelle Betrachtungsweise einfordern, welche für den »normalen Nazi« zu hoch sein dürfte. Wer sich also nicht (so intensiv) mit Themen, wie z.B. …

- der Holocaustleugnung – wie durch den Teilnehmer der Teheraner Holocaust-Leugner-Konferenz 2006 Benedikt Frings, welcher über sein Lieblingsthema »Die Holo….-Schuldneurose der Deutschen – psychiatrische Überlegungen zur Therapie« redete [4]

- Verschwörungstheorien – wie 2009 z.B. durch Marko Schüler anhand des Votrages »Freimaurerei, die geheime Macht« [5]

- oder »Der Germanischen Neuen Medizin« – Zu diesem Thema ist dieses Jahr die Kölnerin Beatrix Ullrich geladen. Sie zählt zum Kreis von Verschwörungs-theoretikern rund um den so genannten Wilhelm Kammeier Verein (WKV), der mittlerweile im dritten Jahr seine Publikation »Der freie Mensch« in Umlauf bringt. Kammeier lebte von 1889 bis 1959 und trat im Dritten Reich durch Veröffentlichungen in Erscheinung, in denen er behauptete, die katholische Kirche habe die Geschichte des »deutschen Mittelalters« gefälscht [6]

…beschäftigt, für den sind diese Treffen uninteressant. Für diejenigen, die die Treffen auf- und besuchen, dienen sie zur Festigung ihrer neonazistischen und rassistischen Ideologie und zum Aufbau und der Pflege von Kontakten.

Für das Treffen vom 04. bis 06. Juni stehen laut Programm [7] neben Günter Deckert selbst und Beatrix Ullrich noch Dennis Bartl, Harald Hauß, Ingo Stawitz, Stefan Wollenschläger und Friedrich Stelzel auf der Referentenliste.

Holocaustleugner finden sich immer wieder unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, so auch bei diesem Treffen: Ingo Stawitz und Friedrich Stelzel. Ingo Stawitz ist derzeit stellv. Vorsitzender des NPD-Landesverband Schleswig-Holstein und leugnet nicht nur die Kriegsschuld Nazi-Deutschlands, er leugnet auch den Holocaust. Er sagte 2005 der Berliner Zeitung: »Ich kenne Leichenberge nur aus Dresden«, und behauptet, dass diese »in den alliierten Filmen nach Kriegsende als die von Auschwitz präsentiert« worden seien. Im gleichen Artikel wird er mit einem homophoben Ressentiment zitiert: »Homosexualität ist unchristlich und amoralisch.«[8] Friedrich Stelzel aus München, der als Kriegsgefangener der russischen Armee in Auschwitz inhaftiert war und abstreitet, dass das dortige KZ ein Vernichtungslager mit Gaskammern gewesen sei.[9]

Wer kommt noch zu Besuch?

Doch nicht nur die »Tage Deutscher Gemeinschaft« finden im Hotel Hufhaus einen ungestörten Ort. Seit dem Jahr 2000 trifft sich am gleichen Ort die völkisch-heidnisch ausgerichtete und neonazistische »Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.«, [10] welche wohl durch das NPD-Mitglied und den 2009 verstorbenen Nazi-Anwalt Jürgen Rieger bekannt sein dürfte. Auch hier profitieren die OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen von der Abgeschiedenheit des Hotels und können somit ungehindert Ihre Sonnwendfeier und/oder Vereins-Tagungen durchführen. Die sog. »Artgemeinschaft« hat sich der deutschen Brauchtumspflege verschrieben und wird anhand ihrer ideologischen Ausrichtung, dem Auftreten und nicht zuletzt durch ihre Mitglieder als extrem rechts eingestuft und durch den Verfassungsschutz beobachtet. Bei Ihren Veranstaltungen werden regelmäßig Vorträge gehalten, welche revisionistische, rassistische und antisemitische Äußerungen enthalten.[11]

Letztendlich lässt sich ohne Probleme feststellen, dass das Hotel Hufhaus sich als Tagungsort für neonazistische, antisemitische und rassistische Gruppierungen etabliert hat und mehrmals im Jahr von bis zu jeweils 100 bis 120 Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen der extremen Rechten besucht wird. Das lässt allerdings auch die Vermutung zu, dass hier durchaus weitere Treffen anderer extrem rechter Gruppierungen durchgeführt werden oder als Ausflugsziel anvisiert werden.

Die Region Harz erweist sich somit als geeignet, für die verschiedensten Strömungen innerhalb der extremen Rechten. Seien es die beschriebenen Treffen im Hotel Hufhaus, als auch agierende NPD-Kreisverbände aus den angrenzenden Städten und Regionen, welche sich 2008 zu einer sich selbst bezeichnenden »Festung Harz« zusammen schlossen.

ART-NordTh, Juni 2010

[1] Thüringen, VS-Bericht 2008, S.103
[2] VVN-BDA -AN 14-17/2003
[3] Artikel »Revisionistischer Klüngel« unter www.bnr.de
[4] Artikel »Begegnung der Generationen« unter www.bnr.de
[5] Artikel »Begegnung der Generationen« unter www.bnr.de
[6] Artikel »Revisionistischer Klüngel« unter www.bnr.de
[7] unter www.kehrusker.net unter Aktuell
[8] www.de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Stawitz
[9] Artikel »Revisionistischer Klüngel« unter www.bnr.de
[10] www.de.wikipedia.org/wiki/Artgemeinschaft_Germanische_Glaubens-Gemeinschaft_wesensgemäßer_Lebensgestaltung
[11] Nachrichtendienst März 2010 – monatliche Publikation des VS-Thüringen